Spice-Modell eines Netztrafos
Für meinen Zisternen-Pegelmesser wollte ich auch das Netzteil, inklusive des Transformators simulieren.
Es mag ungewöhnlich erscheinen, etwas derart einfaches zu simulieren, ich habe jedoch erste Netzteil-Entwürfe aus meiner frühen Bastelzeit in Erinnerung, in der die Spannungsregler wegen Überhitzung abgeschaltet haben oder die Brummspannung am Siebelko auf die 5 V durchgeschlagen ist, weil die Spannung vor dem Regler mit einem 6 V-Trafo halt etwas zu knapp war.
Vielleicht konnte man das noch durch eine Vergrößerung des Kondensators retten, oder aber man musste den teuer erworbenen Trafo durch einen mit höherer Sekundärspannung ersetzen...
Die Simulation kostet nicht viel (nur ein wenig Zeit), kann aber manchen Ärger in der endgültigen Schaltung ersparen. Man sieht, wie sich die Schaltung bei 15 % Unterspannung verhält, man kann die Verlustleistung bei 15 % Überspannung messen, bei Leerlauf und Maximallast, den evtl. nötigen Kühlkörper berechnen etc.
Die größte Unsicherheit dabei ist der Netztrafo, da bei diesen normalerweise keine Simulationsdaten oder -Parameter, geschweige denn fertige Spice-Modelle zur Verfügung stehen.
Also müssen wir ihn selbst ausmessen. In meiner Schaltung ging es dabei um einen Gerth 387.15, einen Print-Trafo mit 15 V und 3,6 VA.
Ausmessen des Trafos
Um einen Trafo genau auszumessen, wie hier beschrieben, benötigt man ein Messgerät, das die AC-Wirkleistung hinreichend genau messen kann. Mir steht ein solches leider nicht zur Verfügung, und ich wollte mir dafür auch keines kaufen, denn gute Wattmeter liegen durchwegs im vierstelligen €-Bereich. Deshalb musste ich ein bisschen improvisieren.
Für die Netzteil-Entwicklung reichen jedoch im Wesentlichen nur drei Parameter des Trafos weitgehend aus:
- Die Kupferwiderstände der Wicklungen
- Das Übersetzungsverhältnis
- Die Induktivitäten der Wicklungen
Ich habe noch den Widerstand Rfe (der die Hysterese- und Wirbelstromverluste darstellt) und Ck (die Koppelkapazität) hinzugefügt, die mit meinen Standard-Werten jedoch unbedeutend sind. Ck habe ich aus Symmetriegründen auf zwei Kondensatoren aufgeteilt. Wenn Sie diese messen konnten, können Sie diese natürlich als Parameter angeben.
Die Kupferwiderstände kann man ganz einfach mit einem Ohmmeter bestimmen.
Das Übersetzungsverhältnis entspricht im Leerlauf Primärspannung:Sekundärspannung, was man mit jedem Multimeter messen kann.
Die Bestimmung der Induktivität ist allerdings etwas problematisch, da sie aufgrund von Sättigungseffekten keine Konstante ist, sondern auch von der Spannung abhängt.
Mir ist keine wirklich genaue Methode hierfür bekannt, die mit Netzteil, Multimeter und Oszilloskop, wie man sie normalerweise zur Hand hat, funktioniert.
Ich habe die Induktivität der Primärwicklung bestimmt indem ich einen 1 µF- Kondensator parallel geschaltet habe, diesen Schwingkreis mit 12 V angestoßen habe und die Resonanzfrequenz mit dem Oszilloskop bestimmt habe.
Bei dem vorgegebenen Gerth 387.15 bin ich auf folgende Werte gekommen:
- RPri=987 Ω, RSec=12,0 Ω
- Übersetzungsverhältnis: 11:1
- LPri=22 H
Da sich die Induktivitäten proportional zum Quadrat des Übersetzungsverhältnisses verhalten, folgt daraus LSec=182 mH (nicht gemessen).
Hier
meine simulierte Schaltung des Transformators.
Die Bauteilwerte sind bereits durch Parameter angegeben, wie es für das
spätere Modell nötig ist, um sie im übergeordneten Schaltplan
ändern zu können.
Die ohmsche Last von 71 Ω verbrät ziemlich genau 3,6 W, die Nennleistung des Trafos. Die effektive Sekundärspannung liegt bei 16 V. Die gemessenen Parameter können also nicht grob falsch sein...
Ich muss natürlich sagen, meine Methode ist nicht ideal und man sollte sie nicht bis auf's letzte Prozent ausreizen. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, das ist nicht zuletzt meiner unzureichenden Ausrüstung zuzuschreiben. Ich verfüge weder über ein geeignetes LCR-Meter noch über ein hinreichend auflösendes Wattmeter, aber das Ergebnis stimmt trotzdem recht gut mit der Realität überein und sollte für die meisten Fälle gut genug sein.
Ab damit ins Modell...
Zunächst müssen wir den Schaltplan eindampfen, bis nur noch das übrig ist, was zum Modell gehört. Die Spannungsquelle, der Lastwiderstand und das Simulationskommando müssen weg, sie werden in späteren Simulationen im übergeordneten Schaltplan hinzugefügt.
Ich möchte mich hier nicht unnötig wiederholen, bitte sehen sie unter Eigene Modelle erstellen nach, um die Details der Prozedur zu sehen.
Ich habe das Modell hier nicht als .sub gespeichert, sondern als .lib (tatsächlich macht die Erweiterung keinen funktionalen Unterschied, sie ist nur ein Symbol), denn es ist ein Prototyp für beliebige Transformatoren mit jeweils einer Primär- und Sekundärwicklung. Sie können eigene Transformatoren in der gleichen Datei hinzu packen, mit den Parametern, die Sie eben gemessen haben.
Hier also mein Symbol und meine Bibliothek (bisher bestehend aus einem einzigen Bauteil 😆)
Wenn Sie Modell und Symbol in Ihrem sub bzw. sym installiert haben, können Sie diese Testschaltung ausprobieren.
Die Parameter können Sie in Ihren Simulationen nach belieben ändern, um Ihren speziellen Trafo zu beschreiben, oder Sie fügen ihn in die xfrm1p1s.lib ein, wie ich es mit dem Gerth gemacht habe, und können ihn jederzeit mit seinem Namen abrufen.
Ich habe diese Simulation nach bestem Wissen erstellt, kann jedoch nicht für die absolute Richtigkeit garantieren. Die Verwendung erfolgt auf eigenes Risiko und Verantwortung.

